Erst kaufen, dann wegwerfen: geplante Obsoleszenz und was dahintersteckt

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Hast du dich schon mal über dein Handy geärgert? Weil der Akku plötzlich nicht mehr will? Oder über die Waschmaschine, die eigentlich noch gar nicht so alt ist, um ihren Geist schon aufzugeben? Könnte ein von den Herstellern geplanter Verschleiß dahinterstecken? Wir gehen diesem wichtigen Thema nach.

Mit dem Ausdruck „geplante Obsoleszenz“ ist gemeint, dass Produkte oder Teile davon von minderer Qualität sind, sodass sie bewusst früher als erwartet altern. Das kann ein Mechanismus sein, bei dem davon auszugehen ist, dass er recht früh Schaden nehmen wird. Es kann sich aber auch um eine Sollbruchstelle handeln oder um einen programmierten verfrühten Funktionsstopp. Auch wenn die Technik zu schnell veraltet, ein Gerät nach wenigen Jahren nicht mehr kompatibel ist, die Reparatur sich nicht mehr lohnt oder gar nicht erst möglich ist, spricht man von geplanter Obsoleszenz. Die unterschiedlichen Kategorien sind nicht eindeutig voneinander zu trennen – die Grenze verläuft fließend. Hier sind die drei wichtigsten.

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Arten von Obsoleszenz

Werkstoffliche Obsoleszenz

Die Lebensdauer von Geräten lässt sich durch die Qualität der Materialien und technischen Komponenten steuern. Von der werkstofflichen Obsoleszenz spricht man, wenn ein Gerät nicht mehr funktionsfähig ist, weil ein Bestandteil davon ausfällt und nicht mehr reparierbar ist – oder wenn man es nicht mehr als Ersatzteil bekommt. Ein gutes Beispiel für den vorzeitigen Verschleiß eines Bestandteils ist der fest verbaute Handyakku, der nach zwei Jahren rapide an Leistung einbüßt. Ein weiteres sind Drucker, die ihren Dienst versagen, sobald die Garantie abgelaufen ist. Viele Geräte ließen sich theoretisch noch reparieren, jedoch sind die Kosten so hoch, dass sich in der Praxis eher ein Neukauf lohnt.

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Funktionale Obsoleszenz

Wird die Software für ein Gerät vom Hersteller nicht mehr aktualisiert, ist das Gerät häufig unbrauchbar. Das kann passieren, wenn es plötzlich keinen Treiber mehr für einen Drucker gibt, der bis dahin voll funktionsfähig war – dann reagiert er unter dem neuen Betriebssystem einfach nicht mehr. Aber auch das Betriebssystem selbst kann unbrauchbar werden, wenn es kein aktuelles Sicherheitsupdate mehr dafür gibt.

Neue Versionen von Software oder Apps machen die alten oft unbrauchbar. Es kann aber auch passieren, dass die Formate zweier verschiedener Softwareversionen nicht miteinander kompatibel sind, sodass sich der User zwangsweise für die neuere entscheiden muss.

Auch ein technischer Sprung ist ein Beispiel für funktionale Obsoleszenz: Die Firma Apple führte für ihre Rechner beispielsweise im Gegensatz zu den gängigen USB-Anschlüssen sogenannte Firewire-Anschlüsse ein. Wobei die nicht lange Standard blieben – sie wurden von den Thunderbolt-Anschlüssen abgelöst. Die Folge waren nicht nur Kabel, die ausgetauscht werden mussten: Die Nutzer durften sich komplett neue Geräte anschaffen, die über die neuen Anschlüsse verfügten.

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Psychologische Obsoleszenz

Bei dieser Art von Obsoleszenz spielen wir als Käufer eine Rolle. Denn hier geht es darum, dass wir das neue, hippe Handy haben wollen, das gerade auf den Markt gekommen ist.

Viele können sich dem Sog nicht entziehen – nicht nur weil sie gern Neues ausprobieren möchten und Spaß an der Abwechslung haben. Oft steckt ein Gruppenzwang dahinter: Wer ein altes Smartphone hat, geht nicht mit der Zeit, ist out, wird teilweise auch nicht von seinem Umfeld akzeptiert – wie es bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen oft der Fall ist. Und dabei hat das neue Gerät nur wenige zusätzliche Funktionen, ist nur unwesentlich schicker als sein Vorgänger. Trotzdem haben wir damit das Gefühl: Ich bin cool; ich gehöre dazu.

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Wer spielt auf der Klaviatur der psychologischen Obsoleszenz nicht virtuoser als Apple? Bekanntermaßen gibt es hier einen regelrechten Hype um neue Geräte. Besonders schlau dabei: Immer wieder wechseln auch die Farbfacetten von Smartphone & Co., wodurch ältere Modelle für Kenner auf den ersten Blick erkennbar sind.

Beispiele, die dir vielleicht bekannt vorkommen

Igitt, was ist mit dem Lautsprecher passiert?

Vielleicht hast du ein älteres Gehäuse mit einer sogenannten Soft-Touch-Oberfläche zu Hause, zum Beispiel bei einer Stereoanlage, einem Lautsprecher, einer Kamera oder einer Fernbedienung. Nach einiger Zeit fangen diese Oberflächen aus Weichkunststoff an zu verkleben, ziehen Staub und Tierhaare an. Es ist ekelig, sie anzufassen – weshalb sie vorzeitig auf dem Müll landen. Vermutlich liegt diese unangenehme Eigenschaft an den im Material vorhandenen Weichmachern, die mit der Zeit verdunsten.

Nicht noch einmal von dieser Marke

Oder du hast mal einen Flachbildfernseher gehabt, der leider nur wenige Jahre hielt? Oft ist es bei den modernen Fernsehgeräten so, dass empfindliche Bauteile wie Kondensatoren in der Nähe von Leistungsbauteilen angeordnet werden, die sehr viel Hitze ausstrahlen. Das halten sie nicht lange durch und stellen wegen Überhitzung ihre Funktion ein. Auch hier sind Ersatzteile oft nicht auf dem freien Markt erhältlich. Der Fernseher müsste professionell repariert werden, was hohe Kosten nach sich ziehen würde – obwohl das Bauteil selbst sehr günstig ist.

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Einen besonders spektakulären Fall schildert die Stiftung Warentest: Der Fernseher eines Verbrauchers funktionierte nach drei Jahren einfach nicht mehr. Das war zwar sehr früh, aber erstmal vielleicht kein Problem – der Mann wandte sich an Philips, um das defekte Ersatzteil zu bestellen. Bloß gab es das nicht mehr, wie er seitens der Firma zu hören bekam. Blöd nur, dass er für das Gerät fast dreitausend Euro bezahlt hatte. Übrig blieb ihm nur, das teure Teil zu verschrotten – und für die damit verbundenen Verschrottungskosten aufzukommen. Nicht noch einmal diese Marke, sagte sich der Rentner, dessen Vertrauen in das Unternehmen zerstört war.

Bye-bye, Akku

Akkus halten nicht ewig – ob beim Smartphone, bei der elektrischen Zahnbürste oder beim Notebook. Um genau zu sein, halten sie beim Handy in etwa 500 Ladezyklen. Das sind ca. zwei Jahre. Sie machen also genau dann schlapp, wenn der Mobilfunkvertrag ausläuft. Ein Zufall?

Aber auch das wäre an sich kein Drama – wenn man sie nur selbst auswechseln könnte, wie es früher noch üblich war. Heutzutage wird ein Akkuwechsel teuer und lohnt sich nicht. Wo landen die Geräte danach? Du hast es sicher erraten.

Ich druck hier gar nichts mehr!

Irgendwann, meist wenn man es am wenigsten erwartet, streikt der Drucker, obwohl am Vortag noch eitel Sonnenschein herrschte. Der Grund dafür sind in vielen Fällen Schutzzähler: Wurde eine bestimmte Anzahl von Seiten erreicht, ist Schluss, obwohl das Gerät an sich noch voll funktionsfähig ist.

Und sonst noch?

In Kameras werden oft Zahnräder aus Plastik verbaut, welche viel schneller verschleißen als andere Exemplare, die deutlich langlebiger und nur unwesentlich teurer wären.

Schuhe sind oft mit Kunststoffsohlen ausgestattet, die einen hohen Abrieb haben. Auch hier wäre es für den Hersteller ein Einfaches, sie durch langlebigere Varianten zu ersetzen. Eine Reparatur ist oft nicht möglich, da auch der restliche Schuh von minderer Qualität ist. Bei Turnschuhen ist es noch krasser: Sie werden im Regelfall vulkanisiert, was einen Austausch der Sohle von vornherein unmöglich macht.

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Neben dem Akku haben Notebooks noch andere Schwachstellen: beispielsweise den Lüfter. Dort sammelt sich Staub an, der regelmäßig entfernt werden muss – ansonsten überhitzt das Gerät. Blöd nur, dass der Nutzer meist nichts davon weiß und auch nicht darüber informiert wird. Sogar wenn er es wüsste und den Missstand selbst beheben wollte, hat er oft keine Chance, weil er an den Lüfter nicht herankommt. – Auch kann es sein, dass einfach die BIOS-Batterie defekt ist. Diese kostet in etwa einen Euro, sorgt bei einem Defekt aber dafür, dass das Notebook nicht mehr startet und oftmals bald entsorgt wird.

Auch bei des Deutschen liebstem Kind, dem Auto, fällt auf, dass es längst nicht mehr so lange hält wie früher. Während der alte W123er-Mercedes fuhr und fuhr und fuhr, gehen heutige Autos schnell kaputt und lassen sich nicht mehr so leicht selbst reparieren. Der alte Benz fährt übrigens immer noch: in Afrika, wo er nur zu gern als Taxi eingesetzt wird – und sogar mit Rapsöl oder altem Frittierfett läuft.

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Vielleicht hattest du auch schon mal den Türgriff des Gefrierfachs beim Kühlschrank oder den der Waschmaschine nach dem Öffnen in der Hand gehabt, obwohl du gar kein rabiater Mensch bist? Türgriffe bei elektronischen Geräten sind oft ein Schwachpunkt. Bei einem Defekt muss zwar nicht das gesamte Gerät ausgetauscht werden, wohl aber die komplette Tür. Diese kostet in der Regel deutlich mehr, als der Türgriff wert ist. Manchmal ist es aber auch so, dass die neu gekaufte Tür vom Gefrierfach sich nicht mehr abdichten lässt, sodass sich im Inneren Eis bildet. Hier bist du vor die Wahl gestellt: Die Energieverschwendung hinnehmen – oder gleich lieber auf einen neuen Kühlschrank umsteigen. Und da dann einfach nicht mehr so kraftvoll die Tür öffnen. Ist doch easy.

Selbst bei Zahnpasta gibt es den geplanten Verbrauch. Die Öffnungen der Tuben werden von Zeit zu Zeit vergrößert, sodass auf einmal mehr Zahnpasta herauskommt, als eigentlich gewollt. Dieses Phänomen nennt man Verbrauchsbeschleunigung.

Ist das Vorsatz?

Dass der Verschließ in gewisser Weise geplant sei, bestätigt Professor Albert Albers, Leiter des Instituts für Produktentwicklung am Karlsruher Institut für Technologie (IPEK). Er erläutert, dass Hersteller durchaus planen, wie lange ein Produkt halten soll. Sie entwerfen ein Nutzungsszenario für bestimmte Kundengruppen und ermitteln daraus die Gebrauchsdauer des Geräts. Auf der Basis dieser Berechnungen planen Konstrukteure die Bestandteile eines Gerätes: die Beschaffenheit, die Leistungsfähigkeit – beides stimmen sie auf die geplante Gebrauchsdauer ab. Oft ist das Ziel nicht, das Gerät so gut wie möglich zu bauen, sondern so gut wie notwendig. Alles andere bedeutet unnötig hohe Kosten.

Dies bestätigt der Anruf eines Kunden beim Smartphoneanbieter HTC: Er bekam von einem Servicemitarbeiter die Auskunft, dass die Geräte auf einen Nutzungszyklus von zwei Jahren ausgelegt seien. Als die Stiftung Warentest daraufhin bei dem Hersteller anrief, wollte man diese Aussage allerdings nicht offiziell bestätigen.

Auch das Umweltbundesamt stellt zwar fest, dass Hersteller vorab eine Produktlebensdauer festlegen, möchte dennoch nicht von geplanter Obsoleszenz sprechen – was dieser Sachverhalt aber eben aus Nutzersicht wäre.

Wachsen, immer weiter wachsen

Der gesteigerte Konsum und damit die Anschaffung von immer neuen Gerätemodellen kurbeln die Produktion an. Und lassen die Wirtschaft wachsen und gedeihen. So kommt es sogar dort zu Wachstum, wo er bei einer natürlichen Entwicklung, ohne geplante Obsoleszenz, gar nicht mehr möglich wäre. Ständig wechselnde Modeerscheinungen befeuern diese Tendenz. Aber auch unsere „Geiz ist geil“-Mentalität: An jeder Ecke lauert ein Schnäppchen – und wer ein Schnäppchen gemacht hat, der fühlt sich gut. Egal, wie lange das Gerät am Ende hält. Durch das Zusammenwirken dieser Faktoren kommen kurzlebige Produkte zustande. Und natürlich hat dieses künstlich erzeugte Wachstum auch Vorteile, die nicht so schnell von der Hand zu weisen sind: Eine gesteigerte Produktion schafft Arbeitsplätze. Da sag mal einer was gegen …

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Verschwörungstheorien

Geräte mit eingebautem Verfallsdatum – das klingt fast nach einer Verschwörung. Was gar nicht mal so falsch ist: 1924 wurde das Phoebus-Kartell gegründet, zu dem führende Glühlampenhersteller gehörten. Sie sprachen sich untereinander ab, um die Nutzungszeit der Birnen auf tausend Stunden zu begrenzen.

Sechs Jahre später war unter Politikern und Wirtschaftswissenschaftlern die Rede davon, die wirtschaftliche Depression in den Vereinigten Staaten mithilfe der geplanten Obsoleszenz zu überwinden.

Doch es bleibt schwierig, den Herstellern nachzuweisen, dass sie die Geräte bewusst so gestalten, um damit Verbraucher hinters Licht zu führen.

Kürzere Erstnutzungsdauer

Im Auftrag des Umweltbundesamts wurde eine Obsoleszenzstudie durchgeführt. Heraus kam, dass die sogenannte Erstnutzungsdauer vor allem von Fernsehgeräten, aber auch von Waschmaschinen, Wäschetrocknern und Kühlschränken im Vergleich zu früher gesunken ist. Die Geräte sind nicht mehr so lange nutzbar, wie es zu der Zeit unserer Eltern oder Großeltern noch der Fall war. Gerade Waschmaschinen, Wäschetrockner und Kühlschränke sind oftmals innerhalb von fünf Jahren kaputt und müssen ausgetauscht werden.

Trotzdem kommt das Umweltbundesamt nicht zu dem Schluss, dass die kürzere Produktlebensdauer durch eingebaute Mängel zustande kommt.

Wie ist die Rechtslage?

Stefan Schridde, Gründer des Vereins „Murks? Nein danke!“ und Autor des gleichnamigen Buches, spricht davon, dass in den meisten Fällen gewollte Unterlassung im Spiel ist. Dank der heutigen Technik könnten die meisten Produkte über Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte im Einsatz sein. – Dennoch ist es schwer nachzuweisen, dass der Verschleiß seitens der Industrie produktübergreifend geplant war. Obwohl Unternehmen an der Obsoleszenz kräftig verdienen, wird das Vorgehen in Deutschland nicht sanktioniert. Auch wenn tatsächlich jeder Verbraucher betroffen ist.

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Zwar wäre es theoretisch möglich, den Herstellern eine Sachbeschädigung vorzuwerfen. Darunter fällt nämlich auch das Unbrauchbarmachen von Gegenständen. Allerdings müsste ihnen hier Vorsatz nachgewiesen werden. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn hitzeempfindliche Chips dort verbaut sind, wo es besonders heiß ist – obwohl sie an Stellen mit einer kühleren Temperatur ebenfalls Platz gefunden hätten. Oder wenn der Hersteller auf hitzeresistente Chips verzichtet hat, die in einer ähnlichen Preisklasse liegen.

Damit allerdings die Stiftung Warentest den Verschleiß einer Waschmaschine über zehn Jahre prüfen könnte, müsste diese im Prüfzentrum neun Monate lang ohne Unterbrechung laufen. Der Aufwand dafür wäre immens. Fernseher, Smartphones, Notebooks usw. prüft die Stiftung Warentest generell nicht im Dauertest, denn das würde in etwa anderthalb Jahre in Anspruch nehmen. Nach Abschluss der Tests wären die Geräte teilweise gar nicht mehr auf dem Markt – es gäbe längst Nachfolger.

Geht doch!

Frankreich hat im Zuge des französischen Energiewendegesetzes die geplante Obsoleszenz unter Strafe gestellt. Das Gesetz ist seit 2015 in Kraft und soll der Überproduktion und dem übermäßigen Konsum Einhalt gebieten. Es drohen Gefängnisstrafen bis zu 2 Jahren, Bußgelder in Höhe von 300.000 Euro oder sogar 5 Prozent vom Jahresumsatz.

Verboten ist es beispielsweise, Dichtungsringe aus Kunststoff in Gerätschaften einzubauen, wenn genauso gut welche aus Metall hätten verwendet werden können. Zudem ist die Angabe obligatorisch, ob zu einem bestimmten Gerät überhaupt Ersatzteile verfügbar sind. Auch Produkte, die nicht mehr zu reparieren sind, sind in Frankreich tabu.

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Darüber hinaus herrscht auch das Verbot, nicht verkaufte Ware zu entsorgen – sie muss wieder zum Verkauf angeboten werden. In Deutschland war dies bis vor Kurzem noch anders: Hier landete zurückgeschickte Ware aus Kostengründen oft auf dem Müll.

Das französische Gesetz ist vor allem ein Signal für Hersteller – denn natürlich ist es auch in dem Land schwierig, die geplante Obsoleszenz nachzuweisen. Auch dort argumentieren die Unternehmen mit dem Konkurrenzdruck, der es nötig macht, auf billigere Bauteile zurückzugreifen. Und auch dort wird gern mit Arbeitsplätzen argumentiert.

Dennoch hat die Organisation „Halte à l’Obsolescence Programmée“ (HOP, zu Deutsch in etwa „Schluss mit der geplanten Obsoleszenz“) schon einiges erreicht: Gegen die Firma Apple hat sie Klage eingereicht. Es ging dabei um die Modelle 6, 6S, SE und 7 des iPhones, die mit der Zeit langsamer wurden und andere Funktionsmängel aufwiesen. Da die Verlangsamung zeitlich mit dem Erscheinen der neuen Modelle 8 und X zusammenfiel, entschieden sich viele Nutzer dafür, auf die Folgemodelle umzusteigen. HOP erwirkte, dass Apple 25 Millionen Euro Entschädigung zahlte.

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Auch gegen den Druckerhersteller Epson hat HOP Klage eingereicht. Die Drucker des Unternehmens zeigen nämlich an, dass die Tintenpatronen leer seien, obwohl sie noch zu 20 bis 50 Prozent gefüllt sind. Das Ergebnis der Klage bleibt abzuwarten.

Und die Umwelt?

Abgesehen davon, dass Verbraucher durch die geplante Obsoleszenz finanziell belastet werden, zieht sie auch enorme Folgen für unsere Umwelt und Gesellschaft nach sich. Nicht nur trägt sich zur Umweltverschmutzung und Verstärkung des Abfallproblems bei – auch Rohstoffe und Energie werden verschwendet. Hinzu kommen soziale Auswirkungen: Um immer schneller und kostengünstiger zu produzieren, lagern viele Unternehmen ihre Produktion in Billiglohnländer aus, in denen katastrophale Arbeitsbedingungen herrschen.

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Wie kann es weitergehen?

Auch wenn Verbraucherschutzorganisationen aus Frankreich einen ersten Sieg errungen haben, weil geplanter Verschleiß in dem Land nicht mehr nur zivilrechtlich verhandelt wird, sondern ein Betrugsdelikt darstellt, das strafrechtliche Folgen haben kann, sind sie noch nicht am Ende mit ihren Forderungen. Sie möchten eine Erweiterung der Garantiezeit auf zehn Jahre erwirken sowie eine Verpflichtung der Hersteller zur Bereitstellung von Ersatzteilen. Deutsche Verbraucherschützer engagieren sich ebenfalls dafür, dass diese künstlich geschaffene Nachfrage auf dem Markt ein Ende findet. Denn die Auswirkungen sind nicht wirklich sozial: Zum einen können sich Personen mit geringerem Einkommen keine Produkte von guter Qualität leisten und kaufen Billigware. Dafür werden sie aber doppelt abgestraft: Die Geräte halten nicht lange und müssen zeitnah nachgekauft werden.

Eine weitere Forderung von Verbraucherschützern ist, die Lebensdauer der Geräte transparent zu gestalten, damit sie zu einem Kaufkriterium werden kann. In diesem Bereich herrscht bisher völlige Intransparenz.

Um die geplante Obsoleszenz selbst obsolet, also überflüssig, zu machen, ist hingegen ein völliges Umdenken nötig, eine Umstellung des bisherigen Wirtschaftsmodells hin zu einer Kreislaufwirtschaft. Dafür setzt sich unter anderem der bereits genannte Verein „Murks? Nein danke!“ ein. Das Modell sieht eine begrenzte Produktion von Gütern vor, die unter Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte lokal hergestellt werden und eine hohe Qualität aufweisen. Diese Art der funktionellen, sozialen und solidarischen Zusammenarbeit würde neue Arbeitsplätze entstehen lassen, zum Beispiel in den Bereichen Instandsetzung, Wiederverwertung, Nachhaltigkeit und im Dienstleistungssektor.

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Überkommene Modelle neu denken

Nicht alle innovativen Ansätze führen in die richtige Richtung. Natürlich sollte davon abgesehen werden, alle paar Monate sein Handy durch ein neues zu ersetzen. Auf der anderen Seite bringen echte Neuerungen schon einen Fortschritt mit sich: Auf einen E-Book-Reader passen theoretisch tausende von Büchern; so spart man nicht nur Platz im Regal – für Leseratten entfällt beispielsweise auch das Schleppen der umfangreichen Urlaubslektüre.

Auch ein weiterer Trend ist ebenfalls mit einer gewissen Skepsis zu betrachten: der der intelligenten Geräte. Zwar stellt ein Kühlschrank mit einem WLAN-Anschluss, einem Touchscreen und einer eingebauten Kamera einen echten Fortschritt und eine Erleichterung dar, auf der anderen Seite verkürzen ausgerechnet diese Elemente seine Nutzungsdauer. Während der Kühlschrank selbst gut 15 Jahre halten könnte, ist dies gerade bei den modernen Komponenten nicht der Fall, denn IT-Bestandteile halten einfach nicht so lange durch. Womit die Anbindung von Haushaltsgeräten an das Internet der Dinge nicht unproblematisch ist.

Dienstleistung Waschen

Professor Michael Braungart, der das Unternehmen EPEA Internationale Umweltforschung leitet, schlägt vor, dass Hersteller nicht nur die Geräte verkaufen, sondern die damit verbundene Dienstleistung. Das wäre bei einer Waschmaschine die Dienstleistung Waschen, die auch die Reparatur, den Ersatz und das Recycling das Geräts beinhaltet. Dieses Prinzip würde dafür sorgen, dass Hersteller im eigenen Interesse auf eine gute Qualität des Produktes achten, damit sie es nicht häufig reparieren oder vorzeitig austauschen müssen. Sie wären auch darum bemüht, dass sie sich gut recyceln lassen, damit keine hohen Kosten anfallen. Dies alles würde das Produkt im Endeffekt günstiger machen. Von diesem „Cradle to Cradle“-Prinzip, wie Braungart es nennt, würden alle Seiten profitieren – auch die Umwelt.

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Akute Maßnahmen

Es wird sicherlich einige Zeit brauchen, bis ein solches Umdenken stattgefunden hat. Doch was kannst du bis dahin tun, um kein Opfer der geplanten Obsoleszenz zu werden?

Zuallererst solltest du keine Billigware kaufen. Denn was du bereits geahnt hast, stimmt wirklich: Billige Produkte halten nicht so lange wie hochpreisige. Es lohnt sich oft, mehr zu zahlen. Viele Firmen bieten bei IT-Geräten häufig Businessversionen für berufliche Nutzer an, die insgesamt besser verarbeitet sind. Das gibt es auch bei Küchengeräten und Werkzeugen; auch hier existieren Varianten für den professionellen Gastronomie- oder Handwerksbedarf.

Die Firma Bosch verkauft zwei Arten von Werkzeug: grünes für den Bastler, blaues für Profis. Modelle für Einsteiger hat das Unternehmen unter der Marke Skil vertrieben. Hier konnte der Nutzer sich entscheiden: Wollte er das Gerät nur hin und wieder einsetzen, reichte ein kostengünstiges Skil-Gerät. War er Heimwerker, entschied er sich lieber für die grüne Variante. Hatte er viel damit vor, war blau doch die bessere Wahl.

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Natürlich gilt hier wie auch sonst: Ausnahmen bestätigen die Regel. Leider gibt es hin und wieder auch teure Geräte, die nichts taugen. Weiterhin solltest du dir vergegenwärtigen, dass du bei einem Gerät eines deutschen Traditionsunternehmens nicht immer auf der sicheren Seite bist. Diverse renommierte Firmen existieren nicht mehr – teilweise sind nur noch die Lizenzen im Umlauf, sodass man mittlerweile auch das ein oder andere Billigprodukt findet, das einen bekannten Markennamen trägt.

Beim Onlinekauf solltest du auf Rezensionen achten und gezielt nach den Bewertungen mit wenigen Sternen suchen. Werden Mängel dort wiederholt genannt, sieh lieber vom Kauf ab. Auch seriöse Verbraucherportale geben Hinweise darauf, bei welchen Geräten der Verschleiß hoch ist. Du könntest auch gezielt nach Produkten mit dem HTV-Life-Prüfzeichen suchen – das bekommen nur Geräte, bei denen keine geplante Obsoleszenz am Werk ist.

Die beste Devise ist ohnehin: selbst machen oder reparieren!

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Und übrigens: Die eklig verklebten Gehäuse werden mit azetonfreiem Nagellackentferner wieder schick. Widerspenstige Drucker wiederum lassen sich resetten, sodass sie wieder laufen wie am ersten Tag – Anleitungen dazu findest du im Internet, zum Beispiel auf dem Portal IFIXIT für Do-it-yourself-Reparaturen.

Keine geplante Obsoleszenz bei QUADRO

Einen geplanten Verschleiß hat es bei QUADRO nie gegeben und es wird ihn auch nie geben. Unsere Rohre, Platten und Kupplungen sind stark genug, um Generationen von fröhlich tobenden Kindern auszuhalten; sie sind quasi unverwüstlich.

QUADRO Modell von 1979 (Bild aus dem Jahr 2013)

Die Zusatzkomponenten aus Stoff werden in der Waschmaschine wieder sauber und halten technisch gesehen so lange, wie es möglich ist.

QUADRO ist umweltfreundlich

Die Materialien sind umweltfreundlich: QUADRO besteht nur aus den beiden Bestandteilen PP (Polypropylen, Recyclingklasse 5) und HDPE (hochdichtes Polyethylen, Recyclingklasse 2). Beide Kunststoffe gelten als sicher, ungiftig und umweltfreundlich und werden deshalb zur Verpackung von Lebensmitteln eingesetzt. Polypropylen zählt zu den neutralsten Kunststoffen, weil es nur zwei Bestandteile hat: Kohlenstoff und Wasserstoff.  

QUADRO ist sicher

Wir haben QUADRO so konstruiert, dass es die europäischen Sicherheitsanforderungen für Spielzeug sogar noch übertrifft. Einen Überblick über die Sicherheitszertifikate findest du hier. Und natürlich sind alle unsere Konstruktionen auch frei von Schadstoffen wie PVC, BPA, PAKs, Phthalaten und Blei.

Kompatibilität

Bei der Weiterentwicklung von QUADRO haben wir bewusst darauf geachtet, dass die neueren Bestandteile mit den ganz frühen kompatibel bleiben. So kannst du gern Sets aus den achtziger Jahren – oder noch die Originalsets von 1979 – mit heutigen Baukästen und Erweiterungen kombinieren. Sobald deine Kinder irgendwann aus QUADRO herauswachsen, freut sich die nächste Generation darüber.

QUADRO Modell von 1984 (Bild aus dem Jahr 2014)

Hinzu kommt, dass du zu jedem Baukasten unzählige spannende Aufbaumöglichkeiten findest. Lass dich von den Vorschlägen aus unserer Modelldatenbank (MDB) inspirieren oder bau gleich dein eigenes Fantasiemodell. So haben deine Kinder immer wieder neue Spielmöglichkeiten – Langeweile kommt da garantiert nicht auf.

UV-Schutz

Damit die Farben lange kräftig bleiben, sind alle QUADRO Bestandteile speziell eingefärbt und haben einen UV-Schutz. So halten sie viel länger als übliche Kunststoffteile. Daher kannst du dein QUADRO auch problemlos im Winter draußen stehen lassen. Wenn allerdings abzusehen ist, dass deine Kinder das Modell länger nicht nutzen werden, empfiehlt es sich, es zu zerlegen, auf Vollständigkeit zu prüfen, zu säubern und es dann einzulagern – so bleibt der Glanz lange erhalten.

Schutz vor Chlor und Salzwasser

Und schließlich ist dein QUADRO sehr beständig gegenüber Säuren und Basen, Salz und Laugen, sodass du die Konstruktion problemlos in den Pool stellen kannst, wenn du beispielsweise eine Rutsche anbaust. Auch Fett und Schmutz vertragen die Teile gut. Sie lassen sich problemlos mit haushaltsüblichen Reiniger säubern, sodass du deine Konstruktion nach einem Einsatz im Garten im Winter wieder im Kinderzimmer nutzen kannst.

Und weil wir so überzeugt von dem sind, was wir geschaffen haben, bekommst du eine Garantie von 6 Jahren auf alle Rohre, Platten, Kupplungen, Schrauben und Schraubenschlüssel von QUADRO!

QUADRO Modell von 1984 (Bild aus dem Jahr 2014)

Quellen

  1. Andreas Winterer. Geplante Obsoleszenz: 17 Tipps gegen den gewollten Verschleiss. Utopia, 21.01.2017
  2. Geplante Obsoleszenz: So trickst Apple. Utopia, 09.02.2016
  3. Alexander Dallmus. Kurze Lebensdauer von Elektrogeräten: Gibt es „geplante Obsoleszenz“? BR, Bayern 1, 27.07.2021
  4. Faktencheck Obsoleszenz. Gemeinsame Pressemitteilung von Umweltbundesamt und Öko-Institut e. V. Umwelt-Bundesamt, 01.03.2015
  5. Geplante Obsoleszenz: Gerade gekauft und schon wieder hin? Stiftung Warentest, 29.08.2013
  6. L’obsolescence programmée, c’est quoi ?
  7. Geplante Obsoleszenz. Wirtschaftslexikon, onpulson.
  8. Frankreich beschließt Gesetz gegen „geplanten Verschleiß“. Deutsche Welle, 22.10.2014
  9. Schon kaputt? Frankreich untersagt die „geplante Obsoleszenz“. eurojournalist, 20.08.2015
  10. Halte à l’Obsolescence Programmée
  11. Vincent Fagot. Obsolescence programmée : HOP réplique à Epson. Le Monde, 27.03.2018
  12. La plainte contre Epson déposée par HOP va-t-elle devenir obsolète ? Halte à l’obsolescence programmée
  13. Notebook lässt sich nicht starten. Bildschirm schwarz. Reparieren für 1 Euro. Tuhl Teim DE, 07.01.2020
  14. Katharina Schuler und Zacharias Zacharakis. Das Problem mit dem Wegwerfen. Zeit online, 11.06.2019
  15. Pulli gefällt nicht - ab in den Müll?! ZDFtivi, logo!, 12.02.2020
  16. Klebriger Kunststoff – Klebende Oberflächen säubern. Muttis Haushaltstipps
  17. Gegen den Igitt-Effekt: Klebrige Kunststoffoberflächen reinigen. Hausjournal

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