Couchpotatos – warum Kinder unter Bewegungsmangel noch stärker leiden als Erwachsene

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Wer sich wenig bewegt, nimmt zu. Gar nicht schlimm, könnte man meinen, denn unsere Gesellschaft entwickelt sich dahin, dass wir Ecken, Kanten und Rundungen immer mehr akzeptieren. Wenn das die einzige Folge der Bewegungslosigkeit bliebe … Warum Bewegung gerade für Kinder enorm wichtig ist und wie man es schafft, dass der Nachwuchs gar nicht erst dauerhaft auf dem Sofa landet, erfährst du in diesem Artikel.

Schöne neue Welt – in der alles noch einfacher, noch bequemer für uns ist als früher: Wir reisen nicht mehr um die Welt; die Welt ist mittlerweile zu Gast bei uns zu Hause, am PC. Wir gehen nicht mehr in den Supermarkt, sondern lassen den Lieferdienst kommen. Wir spazieren nicht zum Briefkasten, sondern nutzen stattdessen den E-Scooter. Wir nehmen nicht mehr die Treppe, weil doch die Rolltreppe gleich daneben ist. Um Spaß zu erleben, müssen wir nicht mehr das Haus verlassen, denn wir haben einen Streamingdienst, bestellen alle Gebrauchsgegenstände online, verlassen für ein Wein-Tasting nicht einmal das Haus und sprechen mittlerweile auch mit unseren Freunden über Kurznachrichten. So sparen wir massig Zeit und können uns endlich den vermeintlich wichtigen Dingen des Lebens zuwenden.

Und unsere Kinder? Auch die haben es bequem: Spielkonsolen, das Handy von Mama und Papa und der Fernseher bieten immer neue, noch aufregendere Formen des Vergnügens. Mittlerweile ist es sogar möglich, das Kinderzimmer in einen Tenniscourt zu verwandeln und dort Tennis zu spielen, ohne sich groß zu bewegen. Die Welt unserer Kinder hat sich verändert, nicht nur durch die Medialisierung, sondern auch durch den enormen Straßenverkehr und ein begründetes erhöhtes Sicherheitsbedürfnis der Eltern. Kinder werden mit dem Auto in die Schule gefahren, kaum jemand geht noch zu Fuß. Die Spielplätze in Wohnsiedlungen sind oft verwaist. Die Bewegungswelt der Kinder wird nach und nach immer weiter eingeschränkt, Alltagsaktivitäten nehmen ab.

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Schön gemütlich hier

Zu Hause verbringen die Kinder die meiste Zeit im Sitzen, ob vor dem Rechner, Tablet oder vor dem Fernseher. In der Kita und im Kindergarten gehen sie größtenteils sitzenden Tätigkeiten nach. Sie sitzen in der Schule, später vielleicht an der Uni, dann als Erwachsene bei der Arbeit, nach Feierabend mit Freunden im Café oder mit dem Lebenspartner auf der Couch. Sie sitzen im Auto und in der U-Bahn – weil sie es nicht anders gewohnt sind. Aber kommen wir zurück zu den Kindern: Wenn sie vor dem Bildschirm hocken, nehmen sie oft fette oder süße Lebensmittel zu sich – oft jene, die sie in der Werbung sehen. Nicht selten entwickeln sie auf diese Weise Übergewicht. Aber nicht nur das: Zeit, die sie so verbringen, geht für Bewegung verloren. Sie kriegen es einfach nicht hin, mit Freunden und Geschwistern zu spielen und zu toben.

Das alles hat verheerende Folgen: 40 bis 60 Prozent der Erstklässler haben eine Haltungsschwäche, Schmerzen im Rücken und zeigen motorische Defizite, können beispielsweise kaum noch balancieren oder eine Rolle vorwärts machen und schaffen es oft nicht, rückwärts zu gehen oder zu laufen. Sie haben Probleme mit der Ausdauer, Kraft und Koordination. Und hier beginnt der Teufelskreis. Dadurch dass sie nicht mehr so fit sind, verlieren sie den Spaß an der Bewegung, weil diese zu anstrengend wird und sie mit anderen, fitteren Kindern nicht mehr mithalten können. Als Konsequenz davon bewegen sie sich noch weniger.

Aber auch die Psyche leidet: Kinder, die selten aktiv sind, zeigen oft Verhaltensauffälligkeiten, haben Ängste, sind unausgeglichen oder aggressiv. Ihre Wahrnehmung kann gestört sein und sie haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.

Stillstand auf ganzer Ebene

Wie schlimm der Bewegungsmangel den Kindern zusetzt, konnte man während des Lockdowns 2020/2021 beobachten, in dem kein Schul- oder Vereinssport angeboten wurde und die Zahl der aktiv zurückgelegten Strecken zurückging. In einer Studie zu Bewegung von Kindern und Jugendlichen während des Lockdowns kam man zu dem Ergebnis, dass Kinder sich viel weniger bewegt haben als sonst; ein Viertel von ihnen sogar überhaupt nicht. Nicht nur nahmen sie (genauso wie die Erwachsenen) während dieser Zeit zu, sondern bekamen auch Knie- und Rückenschmerzen, weil ihre Muskeln nicht ausreichend trainiert waren. Auch die Zahl der seelischen Belastungen nahm zu.

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Generell gibt es, wenn es um die Bewegung von Kindern geht, Unterschiede hinsichtlich des Sozialstatus und Geschlechts: Mädchen sind seltener in Bewegung als Jungen. Das gilt auch für Kinder aus einkommensschwachen Familien oder jenen mit Migrationshintergrund. Kinder, die aktive Eltern haben, sind auch selbst meist aktiv – weil sie es so beim Vater und bei der Mutter sehen. Aber nicht nur deswegen: Eltern, die sich viel bewegen, sind auch eher bereit, ihren Nachwuchs zum Sport oder zu anderen Aktivitäten zu fahren.

Sport ist Mord? Im Gegenteil!

Was passiert eigentlich, wenn wir Sport treiben oder uns bewegen? Die Muskeln arbeiten verstärkt und setzen mehr Sauerstoff um. Das Herz pumpt ein Vielfaches an Blut durch unseren Körper – was stärkend auf das Herz wirkt und Herzinfarkten vorbeugt. Zudem gelangen Nährstoffe so leichter in unsere Zellen. Die Organe werden besser durchblutet – damit beugt Sport auch Entzündungen vor. Der Körper verbrennt mehr Fett und Zucker und lässt Diabetes im besten Fall gar nicht erst entstehen. Manche Medikamente können bei ausreichender Bewegung reduziert werden. Oder aber die Nebenwirkungen dieser Medikamente werden reduziert.

Sportliche Betätigung senkt das Risiko für Darm- oder Brustkrebs und bei einer überstandenen Krebserkrankung das Risiko, erneut zu erkranken. Außerdem beugt sie dem Knochenschwund (Osteoporose) vor, weil die Knochen mehr Knochenmasse einlagern. Zudem werden Menschen, die sich viel bewegen, seltener depressiv, denn Bewegung kann negative Gedankenkreise durchbrechen.

Auch das Altern lässt sich zu einem gewissen Grad durch Sport aufhalten. Zwar liegt es zum Teil in unseren Genen, wie schnell wir altern, aber ganze 80 bis 90 Prozent des Alterungsprozesses werden durch unser Verhalten und unsere Umgebung beeinflusst. Wir altern dadurch, dass sich molekulare Schäden in unserem Körper ansammeln. Alles, was nicht repariert wird, wird zu einem Abfallprodukt, das unsere Zellen schädigt. Bewegung aber wirkt wie ein „Gefäßputzer“ und sorgt dafür, dass sich gar nicht erst so viele Abfallprodukte ansammeln. Sport stresst den Körper zwar (wie übrigens auch das Saunieren), was aber gar nicht so schlimm ist, wie es klingt: Auf diese Weise „übt“ er schon mal und wird resilienter gegenüber „echtem“ Stress, dem jeder mal begegnet. Man kann sein Leben durch Sport insgesamt um bis zu vier Jahre verlängern und auch das Sterblichkeitsrisiko sinkt mit zunehmender Bewegung.

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Lebenslanges Hirnwachstum

Lange Zeit ist man davon ausgegangen, dass im Gehirn von Erwachsenen keine neuen Nervenzellen mehr gebildet werden, dass die Zahl der Nervenzellen im Laufe des Lebens sogar abnimmt. Nach der ersten Hälfte der Schwangerschaft ist die Bildung von Nervenzellen tatsächlich abgeschlossen. Dennoch werden in einem Teil des Gehirns, dem Hippocampus, lebenslang – sogar bis ins hohe Alter hinein – neue Neuronen gebildet. Dieser Vorgang wird als adulte Neurogenese bezeichnet. Je aktiver wir sind, desto mehr Nervenzellen wachsen. Dabei wirken soziale Interaktionen im Beruf und in der Familie stimulierend, aber auch Freizeitaktivitäten wie das Lesen, das Erlernen eines neuen Vorgangs oder zum Beispiel das Rätsellösen. Auch Bewegung lässt Neuronen wachsen und hält den Geist fit. Das Gehirn von Personen, die regelmäßig Ausdauertraining betreiben, wird stärker durchblutet; sie haben nicht nur bessere Laune, sondern können sich Dinge leichter merken. Auch das Schlaganfallrisiko sinkt. Das Nachwachsen von Nervenzellen hängt vermutlich damit zusammen, dass bei Bewegung die Konzentration von Wachstumsfaktoren im Blut erhöht wird.

Nach Ansicht von Prof. Dr. Gerd Kempermann vom Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen ist unser Gehirn vorrangig dazu da, Bewegung zu ermöglichen. Denn jeder Gedankenprozess resultiert schlussendlich in einer Bewegung, sogar wenn das Ergebnis eine Äußerung ist – beim Sprechen bewegen wir Muskeln im unteren Bereich unseres Kopfes. Daher ist die Kognition ganz eng an Bewegung gekoppelt, wenn auch in unserer heutigen Welt eine unnatürliche Entkoppelung stattgefunden hat: Viele Menschen bewegen sich kaum noch, weil sie am Schreibtisch sitzend geistige Tätigkeiten ausüben, andere trainieren auf dem Crosstrainer und sind der Reize beraubt, denen sie beim Joggen in der Natur eigentlich ausgesetzt gewesen wären. Doch dieser Entkoppelung kann man entgegenwirken: Beim Tanzen zum Beispiel kommt es zu einer Einheit von Bewegung und Kognition. Die Folge: Wir werden aufmerksamer und können uns Dinge besser merken.

Fit noch vor der Geburt

Bereits während der Schwangerschaft hat Bewegung eine positive Auswirkung, und zwar nicht nur auf die Mutter. Anhand einer Untersuchung an Mäusen konnten Wissenschaftler feststellen, dass beim Fötus von Mäusemüttern, die während der Trächtigkeit im Laufrad liefen, 40 Prozent mehr Nervenzellen gebildet wurden als bei Feten von eher bequemen Genossen.

Was passiert aber, wenn wir uns nicht bewegen? Dann werden wir lustlos, unmotiviert, teilweise sogar depressiv. Bei erhöhtem Testosteronspiegel kann Depression in Aggressivität umschlagen. Deshalb sollten wir dafür sorgen, dass die Neurogenese in unserem Hirn lebenslang funktioniert – ob durch geistige oder soziale Aktivitäten oder eben durch Bewegung. Denn unsere Nervenzellen brauchen einen gewissen Grad an Erregung: nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig.

Gerade im Alter ist regelmäßige Bewegung wichtig: Denn ab dem fünfzigsten Lebensjahr schrumpfen Teile des Gehirns. So ist Bewegungsmangel auch ein entscheidender Faktor bei der Entstehung von Demenz. Aber auch die exekutiven Funktionen sind nicht so stark vom Alterungsprozess betroffen, wenn wir sportlich sind. Der Abbau von Hirnzellen kann durch Bewegung aufgehalten werden. Je früher wir mit dem Sport anfangen, desto besser.

Die gute Nachricht für alle, die sich mehr bewegen möchten: Schon nach wenigen Wochen des Trainings beginnt sich der Körper zu verändern. Und dabei reichen schon zweieinhalb Stunden Bewegung pro Woche.

Bewegt werden

Sogar passive Bewegung kann eine positive Auswirkung auf den menschlichen Körper haben: In einer Untersuchung wurden Kinder mit Cerebralparese, einer durch eine frühkindliche Schädigung herbeigeführten Aktivitätseinschränkung, auf Rüttelplatten bewegt: Als Folge verbesserten sich ihr Gangbild und die Ganggeschwindigkeit. Die Muskulatur der Füße und der Waden nahm zu und sie wurden im Sprunggelenk flexibler.

Weil Kinder sich noch im Wachstum befinden, gelten alle bisher genannten Vorteile von Sport und Bewegung für sie verstärkt. Renate Zimmer, Erziehungswissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt „frühe Kindheit“, stellte bei einer Untersuchung fest, dass es durchaus einen Zusammenhang zwischen der Bewegungsentwicklung eines Kindes, seiner Intelligenz und dem Grad seiner Selbstständigkeit gibt. Deshalb ist Bewegung wichtig für die ganzheitliche Entwicklung eines Kindes.

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Fit auf allen Ebenen

Kinder brauchen ausreichend Bewegung, da sie für den Aufbau eines gesunden Körpers mehr Energie aufwenden müssen. Gerade in ganz jungen Jahren werden die Grundlagen für spätere Gesundheit gelegt. Diejenigen, die sich viel bewegen, haben eine stärkere Muskulatur und stärkere Knochen. Ihr Körper ist besser durchblutet, das Herz-Kreislauf- und das Immunsystem arbeiten optimal, das Nervensystem und das Muskel-Skelett-System können sich besser entwickeln. Ebenso wird die Organentwicklung unterstützt. Bewegung fördert das Wachstum und sorgt für eine gute Körperhaltung.

Bei körperlicher Aktivität werden die motorischen Fähigkeiten, wie Gleichgewicht, Schnelligkeit und Koordination, geschult. Die Kinder lernen wie von selbst Grundfertigkeiten wie Laufen, Springen, Hüpfen, Kriechen, Rollen, Klettern, Balancieren, Werfen und Fangen.

Je mehr sie sich bewegen, desto leistungsfähiger und fitter werden sie auch im kognitiven Bereich, weil ihr Gehirn durch die regelmäßige Bewegung flexibel bleibt. Sie können sich besser konzentrieren und schlichtweg besser denken, weil sie Informationen leichter verarbeiten können. Ihr Vorstellungsvermögen, ihre Kreativität und die Fähigkeit, Probleme anzugehen und Entscheidungen zu treffen, steigen. Das abstrakte Denken fällt ihnen einfacher. Sie entwickeln ein Bewegungsgedächtnis.

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In wissenschaftlichen Studien konnte der Zusammenhang zwischen Sprachentwicklung und Bewegung nachgewiesen werden. So können Kinder, die Schwierigkeiten beim Lesen haben, durch Balancierübungen gefördert werden. Dies trifft auch auf andere Bereiche zu: Hat ein Kind Defizite bei der Motorik, wird ihm auch das räumliche Denken schwerfallen. Kinder, die es nicht gelernt haben, rückwärts zu gehen oder zu laufen, haben oftmals auch Schwierigkeiten beim Rückwärtszählen.

Bewegtes Lernen

Da man mittlerweile erkannt hat, dass Bewegung und Lernen zusammenhängen, gehen heutzutage immer mehr Institutionen dazu über, Bewegung in den Lernprozess zu integrieren. So gibt es beispielsweise das Konzept der „Bewegten Schule“, wie es an der Schule am Palmengarten in Leipzig umgesetzt wird. Die Schüler bewegen sich in fast jeder Stunde, ob nun beim Mathematikunterricht, bei dem sie das Koordinatensystem auch mal auf den Schulhofboden malen und es so mit dem gesamten Körper begreifen. Oder beim dynamischen Sitzen – hier hat jedes Kind die Wahl zwischen einem Wackelhocker, einem Gymnastikball oder einem Balancekissen, sodass es sich während der gesamten Stunde leicht bewegt, dadurch automatisch aufmerksamer ist und Dinge über die Bewegung besser begreift. Oder in der bewegten Pause, wo den Kindern verschiedene Spielgeräte, von einem Basketballkorb bis hin zum Meditationsgong, zur Verfügung stehen.

Eine weitere Schule, die Bewegung im Unterricht gezielt fördert, stellen wir im Artikel „1 + 1 + 3 = QUADRO“ vor.

Anderswo werden Sprachen in Bewegung gelernt – da hier das Lernen über die Wahrnehmung stattfindet, lassen sich beispielsweise Vokabeln besser behalten. Verknüpfen wir ein Wort mit einer Geste oder Bewegung, haben wir deutlich weniger Schwierigkeiten, es uns zu merken, weil das prozedurale Gedächtnis aktiviert wird.

Bessere emotionale und soziale Entwicklung

Auch die emotionale Entwicklung eines Kindes wird von Bewegung beeinflusst, denn Sport stabilisiert Stimmungen und lässt Freude aufkommen. Kinder, die Erfahrungen mit unterschiedlichen Aktivitäten sammeln, haben mehr Erfolgserlebnisse und gehen insgesamt selbstbewusster durchs Leben. Zeitgleich werden ihre sozialen Kompetenzen geschult, da man sich oft in Gemeinschaft mit anderen bewegt. Beim Miteinander intensivieren sie die Kontakte, sie werden kooperativer, toleranter, hilfsbereiter, rücksichtsvoller und achtsamer. Sie lernen es, sich an bestimmte Regeln zu halten.

Gerade Jungen haben ein hohes Bedürfnis, sich zu bewegen. Fühlen sie sich durch unser durchstrukturiertes Schulsystem, das so manchem wenig Grund zur Freude bietet, leer und gelangweilt, kann dies in eine depressive Stimmung umschlagen. Bei einem zusätzlich hohen Testosteronpegel, wie er zum Beispiel in der Pubertät auftritt, kann dies wiederum zu Aggressivität führen. Deshalb ist es gerade für Jungen wichtig, in ihrer Freizeit Sportarten nachzugehen, bei denen sie sich richtig auspowern können (wie Squash) oder bei denen es etwas rauer zugeht (wie bei den Kampfsportarten oder beim Rugby).

Insgesamt haben aber alle Kinder einen angeborenen Bewegungsdrang. Mit Bewegung erschließen sie sich Schritt für Schritt die Welt und entdecken unbegrenzte Möglichkeiten. Ein Kind wird sich immer neue Herausforderungen suchen, die mit Bewegung zusammenhängen: ob es nun auf einen Baum klettert, einen Hügel heraufläuft, in einer Pfütze herumspringt oder auf einem Stamm balanciert. Diese spielerischen Erfahrungen sind in den meisten Fällen mit Spaß verbunden.

Bewegte Kommunikation

Kinder drücken sich unter anderem durch Bewegung aus. Säuglinge beispielsweise nutzen Bewegung, um sich nonverbal mit ihren Eltern zu verständigen. Mit ihrer Mimik, Gestik und auch einfachen Bewegungen zeigen sie ihrer Umwelt, wie es ihnen gerade geht.

Psychomotorik

Die Psychomotorik greift den Gedanken von der Einheit von Körper und Seele auf, wie der zusammengesetzte Begriff schon erahnen lässt. Es ist eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung. Dabei wird davon ausgegangen, dass Gefühle, Gedanken und Handlungen untrennbar miteinander verbunden sind. Psychomotorische Übungen gehen weit über das bloße Kinderturnen hinaus: Sie sind ein ganzheitliches Konzept zur Förderung motorischer, emotionaler und sozialer Kompetenzen. Es ist eine Form der Erziehung, die über die Bewegung abläuft. So werden Kinder durch Bewegungsübungen bei der Entfaltung ihrer Persönlichkeit unterstützt, und zwar sowohl die normal entwickelten wie auch jene mit Entwicklungs- und Verhaltensproblemen.

Nach Renate Zimmer hat Bewegung unterschiedliche Dimensionen:

  • Personale Funktion: Die Kinder lernen sich und ihren Körper mit seinen Fähigkeiten kennen und entwickeln ein Bild von sich selbst.
  • Produktive Funktion: Hier sind sie aktiv und machen etwas mit ihrem Körper, erzielen damit einen Effekt (zum Beispiel indem sie ein Rad schlagen).
  • Explorative Funktion: Die Kinder lernen ihre Umwelt und die Gegenstände um sie herum mit ihren speziellen Eigenschaften kennen. Sie erleben physikalische Gesetzmäßigkeiten, spüren, wie sich Dinge anfühlen oder welche Geräusche sie machen. Wenn sie einen Gegenstand werfen, können sie beobachten, wie er fliegt und wie schnell er landet. Die Kinder entwickeln dabei das, was man als Sachkompetenz bezeichnet.
  • Komparative Funktion: Hier vergleichen und messen sich die Kinder untereinander, erleben dabei sowohl Siege als auch Niederlagen und lernen, mit beiden umzugehen.
  • Adaptive Funktion: Die Kinder erfahren, wie sie mit Belastungen umgehen können, lernen die Grenzen ihres Körpers kennen und stoßen auf Möglichkeiten, diese auszuweiten – um ihre Leistung zu steigern und die Ziele, die sie sich selbst gesetzt haben oder die von außen an sie herangetragen wurden, zu erreichen.
  • Expressive Funktion: Gefühle und Empfindungen können einerseits durch Bewegung ausgelebt und verarbeitet werden, zum anderen auch durch die Bewegung ausgedrückt (beispielsweise beim Tanzen).
  • Impressive Funktion: Man kann durch Bewegung nicht nur Gefühle kompensieren, durch Bewegung entstehen auch Gefühle, zum Beispiel Freude und Lust. Das Kind fühlt sich währenddessen oder hinterher energiegeladen oder beispielsweise glücklich erschöpft.
  • Soziale Funktion: Meist bewegt man sich zu mehreren, spielt zusammen, ob mit- oder gegeneinander. Hier nimmt der gruppendynamische Aspekt eine wichtige Rolle ein: Man muss sich absprechen, sich vielleicht durchsetzen oder auch mal nachgeben. Selbst wenn ganz kleine Kinder sich noch gar nicht aufeinander beziehen können, sondern es nur ein Nebeneinander gibt, lernen sie durch Beobachtung voneinander, indem sie nachahmen, was ein anderes Kind macht. Sie erweitern damit ihre Handlungskompetenz und Kommunikationsfähigkeit.

Im Bereich der Psychomotorik führen Kinder nicht lediglich Übungen aus, sondern haben die Möglichkeit, mit ihrem Körper und mit allen Sinnen die Welt zu entdecken – Kleinkinder nehmen dazu die Hände und Füße zur Hilfe. Das eigene Tun steht im Mittelpunkt. Die Kinder erleben, dass sie etwas bewegen können, nämlich zuerst einmal sich selbst, Dinge um sie herum und Spielkameraden. Sie sind aktiv und machen die Erfahrung, dass sie zu etwas imstande sind. Ihr Selbstvertrauen und ihre Zuversicht wachsen, auch weil sie merken, dass sie ihren Körper kontrollieren können. Sie erleben sich als aktive, eigenständige und selbstbestimmte Wesen.

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Da eine Entwicklung physischer Bereiche auch Auswirkung auf die Psyche hat, kann mit motorischen Übungen Kindern geholfen werden, die ängstlich und gehemmt sich oder sich wenig zutrauen. Sie können sich in Ruhe ausprobieren und fassen Vertrauen. Aber auch das Gegenteil ist der Fall: Jene, die unruhig sind, Konzentrationsschwierigkeiten haben oder an ADHS leiden, beruhigen sich zunehmend. Kinder, die Wahrnehmungsschwierigkeiten haben, verhaltensauffällig sind, in der Schule nicht mehr mitkommen oder Sprachschwierigkeiten haben, können ebenfalls von psychomotorischen Übungen profitieren. Dasselbe gilt für Kinder mit sozialen Schwierigkeiten. Die Übungen bieten auch denjenigen Vorteile, die über keine gute Körperbeherrschung verfügen oder sich scheinbar ungeschickt anstellen. Und nicht zuletzt Kinder mit körperlichen Behinderungen oder jene, die durch Krankheiten in ihren Bewegungsabläufen beeinträchtigt sind, sind die Zielgruppe von Psychomotorikeinheiten.

Selbstbestimmte Bewegung, selbstbestimmte Persönlichkeit

Bei der Psychomotorik geht es nicht um reine Übungen, sie ist vielmehr erlebnisorientiert. Wichtig ist dabei, Kindern beim Bewegen freie Hand zu lassen, damit sie aus eigenem Antrieb aktiv werden – in einer Umgebung, die spontane Eigeninitiative erlaubt. Zum einen haben sie selbst ein Gefühl dafür, was ihnen in dem Augenblick guttut oder was ihr Körper gerade erfahren oder lernen möchte und was er braucht. Zum anderen sind sie ausgeglichener, wenn die Art der Bewegung individuell zu ihnen passt. Diese aktive Selbsttätigkeit im Sinne Maria Montessoris ermöglicht erst weitere Erfahrungen und damit auch weitere Lernschritte. So kommt das Kind mit dem selbstbestimmten Handeln in Berührung und kann es später in diversen Situationen umsetzen.

Da immer mehr Erzieherinnen beobachten, dass Bildung und Lernen im Zusammenspiel mit Bewegung viel nachhaltiger gelingen, haben viele Kinderkrippen und Kindergärten, aber auch Grundschulen psychomotorische Spiel- und Bewegungseinheiten in ihr Programm integriert. Die Einrichtungen, die diese Übungen anbieten, haben erkannt, dass Bewegungserziehung eine wichtige Rolle in der Entwicklung eines Kindes spielt und dass sie die Grundlage der Entwicklungs- und Gesundheitsförderung bildet. Auf diese Weise treten die Kinder mit ihrer Umwelt in Kontakt, und zwar über ihren Körper. Sie erlangen Bewegungskompetenzen, haben Freude daran, etwas zu tun, und nehmen die Bewegung als selbstverständlich wahr. Diese Einstellung hält meist ein ganzes Leben.

Erlebnispädagogik

Bewegung ist auch Teil der Erlebnispädagogik. Bei diesem Themengebiet geht es darum, das natürliche Bedürfnis eines Kindes nach Spiel, Spannung und Bewegung zu befriedigen – zum Beispiel durch Gruppenerfahrungen in der Natur. Bereits Konfuzius wies darauf hin, dass man Gesagtes schnell vergisst und sich Wissen erst durch die Anwendung festigt. Aber auch Johann Heinrich Pestalozzi, ein Schweizer Pädagoge, war der Meinung, dass das Lernen nicht nur verstandesmäßig, sondern auch emotional und praktisch erfolgen sollte.

Bei der Erlebnispädagogik treten Menschen aus der Komfortzone heraus – in die Lernzone hinein. Das geschieht, indem ihr Alltag auf produktive Weise aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Sie werden vor ungewohnte reale Herausforderungen gestellt, beispielsweise natursportliche Übungen oder welche zur Interaktion, die sie zu bewältigen suchen. Dabei steht nicht die alleinige Aktion im Vordergrund, sondern die Erfahrungen, die die Teilnehmer dabei machen, und die Erkenntnisse, die sie daraus ziehen. Sie lernen sich besser kennen und bekommen ein Gespür dafür, wo ihre Grenzen liegen. Der Pädagoge, der die Übungen durchführt, hat hierbei nicht die Rolle eines Erziehers, sondern vielmehr eines Gestalters, Beobachters und desjenigen, der hinterher zur Reflexion anregt. Denn der Reflexion kommt bei dem Prozess eine wichtige Rolle zu: Es wird versucht, das Erlebte zu verallgemeinern, bestimmte wiederkehrende Muster aufzuzeigen und in Erkenntnisse zu überführen. Diese Erkenntnisse können die Personen selbst betreffen, ihre Beziehungen untereinander oder allgemein ihr Leben; sie bieten eine Chance zur Veränderung. Daher ist Erlebnispädagogik auch immer eine Persönlichkeitsentwicklung – in und durch Bewegung in der Natur.

Erlebnispädagogische Situationen können eine Metapher für Probleme des Alltags darstellen. Ein Beispiel wäre eine gemeinsame Drachenbootsfahrt: Der Steuermann lenkt, die Mannschaft muss sich darauf verlassen, dass er sie in die richtige Richtung führt. Der Trommler gibt vor, in welchem Takt die Mannschaft rudert. Alle ziehen an einem Strang. Und trotzdem kann das Boot mal vom Kurs abkommen oder kommt mal weniger gut voran. Aus dieser Situation kann man Erkenntnisse für das Teamwork im Berufsalltag ziehen.

Im Rahmen der Erlebnispädagogik werden Lernprozesse durch Erlebnisse und Abenteuer in Gang gesetzt. Die Teilnehmer entdecken in der Natur ihre Fähigkeiten, lernen Eigeninitiative, stoßen möglicherweise an ihre Grenzen, entwickeln auf der anderen Seite aber auch Selbstvertrauen zu sich selbst und erfahren, wie es ist, als Team zu funktionieren.

Selbstverständlich profitieren auch und vor allem Kinder von der Erlebnispädagogik, denn gerade sie sind in einem fortlaufenden Lernprozess; sie sind dabei, viele verschiedene Dinge zu entdecken und ihre Persönlichkeit zu entwickeln.

Bewegungskindergarten

Bereits in den 70er Jahren entstanden die ersten Bewegungskindergärten, die damals noch einen sportmotorischen Fokus hatten. Inzwischen hat sich das Konzept gewandelt: hin zu Einrichtungen, in denen Bewegung, Psychomotorik und eine Sensibilisierung für die Umwelt eine wichtige Rolle spielen. Es geht nicht darum, Athleten heranzuziehen, sondern jedem Kind zu ermöglichen, seinen Körper kennenzulernen, ihm den Spaß an der Bewegung zu vermitteln – damit es erkennen kann, wie gut ihm Bewegung tut.

Möchte eine Einrichtung als Bewegungskita anerkannt werden, muss sie eine Reihe von Kriterien erfüllen: Die Erzieherinnen haben eine Fortbildung absolviert, mit dem Fokus der Förderung von Bewegung. Die Räume in der Kita sind so gestaltet, dass man sich dort gut frei bewegen kann – es gibt mindestens einen Bewegungsraum. Es steht genügend Material zur Verfügung, das man in Bewegungsspiele einbeziehen kann. Darüber hinaus gibt es ausreichend Aufbewahrungsmöglichkeiten für Spiel- und Sportgeräte. Auch sind Gerätschaften vorhanden, auf denen die Kinder klettern, schwingen oder schaukeln können. Über den Tag verteilt gibt es unterschiedliche Bewegungsangebote. Hierzu kann auch Schwimmen zählen, damit sich die Kleinen sicher im Wasser bewegen – denn immer weniger Kinder lernen heutzutage diese Fertigkeit (siehe hierzu den Artikel „Pool mit Rutsche: großer Spaß, wichtig für die Entwicklung“).

Bewegungskita Bühren

Die Kita Bühren ist als Bewegungskita zertifiziert. Sie hat einen Bewegungsraum, der von den Kindern selbständig aufgesucht werden kann. Dort finden sie eine Sprossen- und eine Boulderwand zum Klettern und Seile, an denen sie sich hochziehen können, eine Langbank für erste Balancierübungen, verschiedene Bälle für Wurfspiele wie auch einen Hüpfball. Matten und ein Weichboden laden zum Turnen und Herumtollen ein, größere Bauelemente und Reifen zum freien Improvisieren. Auch eine Schaukel und andere Geräte sind vorhanden. Hier können die Kinder das machen, wonach ihnen gerade ist. Die Erzieherinnen lassen sie frei die Welt entdecken, geben aber Hilfestellung, wenn ein Kind etwas neu erlernen will – ganz im Sinne von Maria Montessori[1]. Oder sie regen mal etwas an, wenn ihren Schützlingen partout nichts einfällt.

Vor allem üben sich die Kinder in der Kita in grundlegenden Tätigkeiten: Sie gehen, schlendern, laufen, hüpfen und springen, klettern, werfen, schieben und ziehen oder rollen Gegenstände. Auch auf dem Außengelände haben sie viele verschiedene Möglichkeiten zur Bewegung und können dort die Natur entdecken. Die Einrichtung hat einen Barfußpfad, denn den Erzieherinnen ist aufgefallen, dass Kinder zunehmend Schwierigkeiten haben, sich auf verschiedenen Untergründen fortzubewegen. Deshalb gibt es hier genügend Möglichkeiten, barfuß über Moos, Erde, Holzschnitzel und Kies zu laufen – und es gibt auch ein Matschbecken zum wilden Herumstapfen. Die Kinder machen Ausflüge in den benachbarten Wald und sind sogar wandererfahren, weil die Gruppe immer wieder kleine Wanderungen unternimmt. Natürlich gibt es auch Entspannungs- und Ruhezeiten, denn neben der Aktivität ist es ist wichtig, sich zu erholen und mal nichts zu tun. Die Tagesplanung der Kita ist flexibel, um den Kindern möglichst viele Möglichkeiten zu einem selbstbestimmten Handeln zu lassen.

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Rennen im Kreis

In Japan ist man noch einen Schritt weiter gegangen. Der Architekt Takaharu Tezuka wollte das Leben von Kindern generell zum Guten ändern und plante einen Kindergarten gleich so, dass dieser komplett offen ist – und die Kinder damit fast das ganze Jahr über draußen sind. „Sie lösen sich nicht auf, wenn ein bisschen Regen fällt“, so sein lachender Kommentar. Tezuka ist der Ansicht, dass Kinder nach draußen gehören – und er weiß, dass einige von ihnen nervös werden, wenn sie längere Zeit über in einem Raum eingesperrt sind. In dem von ihm entworfenen Kindergarten kann das nicht passieren: Denn es gibt keine Trennung zwischen drinnen und draußen und auch keine zwischen den einzelnen Klassenräumen. Damit sind die Klassen auch lärmtechnisch nicht voneinander getrennt. Mit voller Absicht. Nach Ansicht Tezukas brauchen Kinder einen gewissen Lärmpegel und schlafen nachts besser, wenn sie tagsüber von Lärm umgeben waren. Die Praxis bestätigt die These: Die Kinder sind bei den täglichen Übungen tatsächlich sehr konzentriert.

Ansonsten toben sie aber frei im Gelände herum, das kreisförmig über mehrere Ebenen angeordnet ist. Sie laufen viel im Kreis, und tun das wirklich gerne. Sie rennen weg, kommen irgendwann aber zurück, auf ganz natürliche Weise. Täglich legen sie eine Strecke von vier Kilometern zurück und sind dadurch die sportlichsten Kids in Japan. Auf dem Gelände gibt es drei Bäume, die in die Klassenräume hineinragen oder sogar mitten im Unterrichtsraum stehen. Auf ihnen können die Kinder nach Lust und Laune herumklettern.

Die Kleinen werden nicht zu sehr kontrolliert oder beschützt, denn eine minimale Dosis Gefahr ist gut für sie. Manchmal stolpern sie oder stoßen sich den Kopf, weil nicht alles komplett abgesichert ist. Auf diese Weise lernen sie aber, in der Welt zurechtzukommen, wo man durchaus auch mal ins Stolpern geraten und sich eine Beule holen kann, wenn auch meist nur metaphorisch. Tezuka ist überzeugt davon, dass Architektur die Welt verändern kann. In dem von ihm entworfenen Kindergarten können Kinder zumindest noch Kinder sein.

Wie oft sollen sich Kinder bewegen?

Kinder in Deutschland haben heutzutage nur 50 Minuten Bewegung täglich. Das ist deutlich zu wenig. Den Rest des Tages sitzen oder stehen sie – oder sie liegen. Dabei sollten sie sich mindestens drei Stunden pro Tag bewegen, unabhängig davon, wie alt sie sind. Für Kinder ab vier oder fünf Jahren gilt, dass eine Stunde davon für intensive Bewegung reserviert ist, hier sollen sie hinterher aus der Puste sein.

Welche Möglichkeiten der Bewegung bieten sich für Kinder an?

Die gute Nachricht ist: Kinder brauchen nicht viel, um sich zu bewegen. Keine umfangreiche Sportausrüstung, keinen öffentlichen Spielplatz – nicht einmal einen eigenen Garten. Gibt man ihnen die Gelegenheit dazu, werden sie eigene Spielideen entwickeln und damit automatisch in Bewegung kommen.

Bewegung im Alltag

Im Alltag gibt es unzählige Möglichkeiten, sich zu bewegen: ob das Kind etwas wegräumt, mal den Esszimmertisch putzt, den Müll nach draußen bringt, mit den Eltern in den Supermarkt geht, mit dem Rad zur Schule fährt oder die Treppe statt des Fahrstuhls nimmt. Auch wenn es einfach in die Hocke geht, um etwas aufzuheben, anstatt sich nur hinunterzubeugen, trainiert es bereits seine Beinmuskeln.

Freizeit

Die Möglichkeiten für Bewegung draußen sind noch vielfältiger. Outdoorspiele beinhalten fast immer Bewegung: Die Kinder können Fangen spielen oder Gummitwist, im Sommer am Strand Sandburgen bauen, ein Wettrennen veranstalten, auf einem Baumstamm balancieren oder auf einen Baum klettern. Aber auch die Natur selbst bietet eine Fülle von Möglichkeiten: Ein Kind kann zum Beispiel Kastanien, Stöcke, Steine oder Blätter sammeln, die es anschließend zum Spielen nutzt.

Auch in der Wohnung oder im Haus müssen Kinder nicht herumsitzen: Sie können zu ihrer Lieblingsmusik tanzen und singen, auf einem Bein hüpfen oder sich aus ausrangierten Dingen einen Parcours bauen. Oder sie nehmen Haushaltsgegenstände, die nicht mehr gebraucht werden, und erschaffen sich damit ihre aktive Spielwelt.

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Es ist auf jeden Fall eine gute Idee, wenn Eltern sich mit ihren Kindern mitbewegen, denn sie haben immerhin eine Vorbildfunktion: Ein Kind, das bewegungsfreudige Eltern hat, wird sich auch selbst mehr bewegen. Dies belegen Studien: Kinder von sportlichen Eltern sind aktiver, fitter und auch schlanker als jene von Eltern, die kaum etwas tun oder wo nur ein Elternteil aktiv ist. Aktive Eltern wissen aus Erfahrung, wie gut Bewegung dem eigenen Körper tut, und werden sie auch ihren Kindern ermöglichen – indem sie Radausflüge mit der Familie machen, Sonntag mal zusammen zu Fuß Brötchen holen – oder indem sie ihre Kinder im Sportverein anmelden.

Aktivitäten wie Fußballspielen, Fangen oder Wandern stärken zusätzlich die Familienbande: Gemeinsam erlebt die Familie Glücksmomente. Hinzu kommt: Vielen Eltern tut es ebenfalls gut, sich mehr zu bewegen, denn auch sie sind teilweise ziemlich eingerostet.

Schritt für Schritt

Auch Erwachsene haben im Alltag und bei der Arbeit viele kleine Möglichkeiten, sich zu bewegen. Dies reicht vom klassischen Treppensteigen, statt die Rolltreppe oder den Fahrstuhl zu nehmen, über Fußwege zum Supermarkt oder zum Briefkasten bis hin zu Meetings, die im Gehen abgehalten werden, Telefonaten, bei denen man umherschlendert, Stehpulten, Balancekissen oder Wackelhockern.

Sport

Es gibt so viele verschiedene Sportarten – von Ballett und Tanzkursen über das Turnen, Leichtathletik oder den Kampfsport bis zu Mannschaftssportarten wie Basketball oder Fußball. Da ist es sehr unwahrscheinlich, dass deinen Kindern keine von ihnen gefällt. Biete ihnen die Möglichkeit, bei Kursen mitzumachen und erst einmal hineinzuschnuppern, um zu sehen, ob sie sie interessieren. Es muss auch nicht immer eine „richtige“ Sportart sein. Ganz kleine Kinder kannst du zum psychomotorischen Turnen anmelden. Manchmal laufen sie einfach gern über Stock und Stein und powern sich dort aus.

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Du kannst deine Kinder beobachten und schauen, ob sie sich lieber allein bewegen oder ihnen eher Bewegung mit der ganzen Familie Spaß macht. Spielen sie lieber drin oder sind sie gern draußen in der Natur? Welche Gegenstände nehmen sie beim Spielen zur Hilfe – Bälle, Seile, Tretroller? Mögen deine Kinder lieber ruhige Formen der Bewegung wie das Spazierengehen oder wollen sie richtig etwas tun wie beim Joggen?

Das Konzept von QUADRO

Natürlich kennen wir von QUADRO noch eine richtig tolle Möglichkeit für Kinder, in Bewegung zu kommen: unser gesamtes Produktkonzept. Zum einen wäre da die Beweglichkeit im Gehirn durch das Vorausplanen der Konstruktionen. Dann die Bewegung beim Aufbau. Und schließlich bei einer weiteren Grundtätigkeit, die evolutionsbedingt genauso in Kindern angelegt ist wie das Laufen oder Springen: dem Klettern (mehr hierzu liest du im Artikel „Klettergerüste: ein Booster für die Entwicklung deiner Kinder“). Außer klettern können sie darauf auch balancieren, herumturnen, von Platte zu Platte hüpfen, sich von Stange zu Stange hangeln oder sich einfach herunterbaumeln lassen.

Möchten Kinder stehen, laufen, springen lernen, sind keine Hilfsmittel nötig. Sie erlernen die Fähigkeiten nach und nach, nur unter Einsatz ihres eigenen Körpers. Das ist beim Klettern meist anders – Bäume zum Beklettern sind oft nicht in der Nähe, sie stellen größtenteils auch eine Gefahr dar. Genau aus diesem Grund eignen sich Möbel ebenfalls nicht zum Beklettern, zusätzlich können diese Schaden nehmen. Daher lohnt sich die Anschaffung eines guten Klettersystems – da haben die Kinder gleich die richtigen Rahmenbedingungen.

Das Gute an QUADRO ist: Es wird nie langweilig. Denn es lässt sich immer wieder auf neue Arten zusammenstecken: ob als klassisches Klettergerüst, Weltraumstation oder Segelyacht. So tauchen deine Kinder in verschiedene Welten ein – und bewegen sich dabei ganz von allein. Bei QUADRO geht es nicht nur ums Klettern, sondern gleichermaßen um das Planen, das kreative Gestalten und vor allem um die Umsetzung. Am besten zusammen mit Mama und Papa – so verbringt die Familie wertvolle Zeit miteinander.

Selbst die Kleinsten erleben mit QUADRO erste Bewegungsabenteuer: Unsere Produktideen sind für Kinder ab sechs Monaten geeignet. Darauf können sie erste Bewegungsabläufe ausprobieren, sich hochziehen, auf eine niedrige Kletterrampe krabbeln oder die ersten unsicheren Schrittchen am Klettergerüst entlang machen. Beherrschen sie diese ersten Übungen, könnt ihr anbauen: Entweder ihr macht aus dem Baukasten einen Lernturm – dann können deine Kinder bei Alltagstätigkeiten nicht nur dabei sein, sondern auch aktiv mitmachen (siehe hierzu den Artikel „Lerntürme – spielend zu mehr Selbstbewusstsein“). Oder aber ihr gestaltet eure Konstruktion vollkommen anders, ganz so, wie es deine Kinder gerade brauchen. Durch die unzähligen Erweiterungs- und Umgestaltungsmöglichkeiten können sich deine Kinder noch im Schulalter auf ihrem QUADRO bewegen.

Mit einem Klettergerüst von QUADRO ist Bewegung drin oder draußen möglich. Entweder du stellst es in den Garten, hängst vielleicht noch eine Rutsche dran – oder einen Pool – und erweiterst es so, wie es dir die Fantasie zuflüstert und du es für deine Kinder als sinnvoll ansiehst. Oder aber du nimmst dein QUADRO ins Haus oder in die Wohnung. Durch die modulare Bauweise lässt sich dein Baukasten an alle Platzverhältnisse anpassen. Der Clou ist, dass du dein Klettergerüst mal drin, mal draußen nutzen kannst, wie es euch gerade Spaß macht. Nach einem Einsatz im Garten kannst du es einfach mit dem Gartenschlauch abspritzen oder mit etwas Spülmittel reinigen. Auf diese Weise entfernst du alle Rückstände, sodass dein QUADRO weder erdige Gerüche verströmt noch einen unschönen Abdruck auf dem hellen Wohnzimmerteppich hinterlässt.

Warum haben wir diesen Artikel geschrieben?

Wir setzen uns täglich damit auseinander, was Kinder für eine gute Entwicklung brauchen, was ihnen in ihrer Entwicklung guttut und zugleich Spaß macht. Was in der heutigen Welt zu kurz kommt, wie zum Beispiel die Möglichkeit, auf einen Baum zu klettern – aber elementar wichtig ist. All diese Erkenntnisse fließen in unsere Produktentwicklung ein. Denn um wirklich gutes Spielzeug konstruieren zu können, muss man Kinder und ihre Bedürfnisse gut kennen. Und wir denken, das gelingt uns ziemlich gut.

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Der Leitsatz von Maria Montessori war „Hilf mir, es selbst zu tun“.

Quellen:

  1. Birkenbihl, Vera. Pauken. Elternnachhilfe. mvg Verlag, 2. Aufl., 2020.
  2. Handbuch der Bewegungserziehung; Didaktisch-methodische Grundlagen und Ideen für die Praxis Herder, Freiburg 1993
  3. Schule am Palmengarten
  4. Takaharu Tezuka: Der beste Kindergarten, den Sie je gesehen haben. TED Talk, September 2014
  5. Vera F. Birkenbihl: Neurogenese
  6. Sport lässt neue Gehirnzellen sprießen. Pharmazeutische Zeitung, 12.06.2006
  7. Sport stärkt Fähigkeiten durch neue Nervenfasern. Spektrum, 18.01.2010
  8. Bewegung & Neuroplastizität: Das Gehirn – kein Muskel und doch unglaublich trainierbar. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin
  9. Bewegung fördert die Entwicklung von Kindern. In Form, Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung
  10. Eva Doll. Sportmediziner: So wichtig ist Bewegung für Kinder. ISPO
  11. Bewegung im Kindergarten: Alles über Bewegungserziehung. Prokita-Portal
  12. Kinder im Lockdown und der Mangel an Bewegung. hessenschau, 15.02.2021
  13. Wundermittel Sport: Körper, Geist und Gene profitieren von Bewegung. Quarks, 12.07.2018
  14. Erziehung und Bildung durch Bewegung - Konzeption zum Bewegungskindergarten der DRK-Kita Bühren. DRK-KV-Göttingen-Northeim e. V., 2017
  15. Was ist Psychomotorik? Förderverein Psychomotorik e.V. Bonn
  16. Psychomotorik im Kindergarten – Definition, Ziele und Informationen zur Ausbildung. erzieherin-ausbildung.de. Das Portal für die pädagogische Fachkraft
  17. Psychomotorik im Kindergarten. Kindergarten heute. Das Fachmagazin für Frühpädagogik
  18. Sport statt Pillen? – Die heilende Kraft der Bewegung. MDR DOK, 20.08.2021
  19. Ulrich Lakemann: Erlebnispädagogik. Socialnet, 19.07.2018.
  20. Dana S. Erlebnispädagogik: Was hinter dem Konzept der sogenannten Abenteuerpädagogik steckt. Kita.de, 14.08.2021
  21. Christiane Gelitz. Bestimmte Gesten helfen beim Vokabellernen. Spektrum, 25.10.2021
  22. Prof. Dr. Renate Zimmer
  23. Die aid-Bewegungspyramide für Kinder. aid infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e. V., 2009

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